„Schließung des Kanals wäre touristisch eine Katastrophe“

Benno Wiemeyer (63), Präsident des Landesverbandes Motorbootsport Niedersachsen 1-Wiemeyer in Efehne.V., war Ende Januar in Elisabethfehn zu Gast der Bürgerinitiative. Über 50 Interessierte verfolgten seinen interessanten Vortrag (siehe auch Zeitungsberichte unter „Medien“). Anlässlich seines Besuchs hat Hanne Klöver, Mitglied des Vorstands der Bürgerinitiative, folgendes Interview mit ihm gemacht.

Sie kennen den Elisabethfehnkanal – in puncto Liegeplätze und Versorgung der Bootjefahrer – wie attraktiv ist er zurzeit für Wassersportler?

Der Elisabethfehnkanal wird von uns hauptsächlich als Durchfahrtskanal in Richtung des nordwestlichen Teils des Ems-Reviers benutzt. Allenfalls als Warteplatz werden auf der Südseite des Kanals der Bootsclub Kamperfehn und auf der Nordseite der Anleger vor der Schleuse Osterhausen bzw. der Bootsclub Elisabethfehn angelaufen. Über  Liege- und Versorgungsmöglichkeiten (Strom, Lebensmittel, Gaststätten usw.) liegen den wenigsten Skippern Informationen vor.

Was muss vorrangig getan werden, um den Elisabethfehnkanal für den Wassertourismus attraktiver zu machen?

Die Informationen über den Kanal wirken abschreckend, denn offiziell ist der Kanal nur mit Booten mit einem Tiefgang von max. 90 Zentimetern befahrbar.  Wir haben 2011 den Kanal mit unserem Ems-Konvoi befahren. Da waren Boote mit einem Tiefgang von 1,30 Metern dabei – und die Skipper hatten keine Probleme. Wäre das bekannt, oder würde man wenigstens als zulässigen Tiefgang 1,20 Meter angeben, würden mehr Sportbootfahrer den Elisabethfehnkanal durchfahren. So ließen sich die Benutzungszahlen langfristig  vielleicht verdoppeln. Helfen würde auch, wenn der Kanal und das Revier um Leda und Jümme stärker vermarktet würden. Während unserer Konvoi-Fahrt  2011 mussten wir feststellen, dass kaum ein Skipper dieses Revier kannte, geschweige denn es je befahren hatte.

Ein Bootfahrer kommt ja nicht „nur“ nach Elisabethfehn, sondern er will am liebsten eine schöne Route fahren, die AUCH durch unser Dorf führt. Wie können solche Routen entstehen? Mit wem sollten wir kooperieren?

3-Wiemeyer StatementDieser Kanal ist der Zugang zu einem sehr schönen Revier, wo noch mit Ebbe und Flut navigiert wird und Häfen bis tief in das Inland erreicht werden können So kann man mit dem Sportboot auf dem Binnenweg die Stadt Leer und über den Nordgeorgsfehnkanal die Küstenstädte Wilhelmshaven und Emden erreichen. Der Landesverband Motorbootsport Niedersachsen  unternimmt zurzeit Schritte, unseren Sportkollegen dieses Revier schmackhaft zu machen.  Insbesondere durch Bootskonvois und seine speziell für dieses Revier erstellten Kartenwerke  informiert er die Skipper über die Befahrbarkeit aber auch Schönheit dieses Reviers.

Wie und von wem werden die Wasserstraßen im Nordwesten z. Zt. vermarktet? Gibt es ein Netzwerk „Bootstourismus“ ? Und wie ließe sich der Elisabethfehnkanal darin einbinden?

In den letzten Jahren haben sich die Tourismusorganisationen im Einzugsgebiet der Ems, insbesondere die Tourismusverbände in Meppen, Leer und Emden in Zusammenarbeit mit unseren niederländischen Nachbarn und dem Landesverband Motorbootsport Niedersachsen e.V. um dieses Thema bemüht. Wir hatten einen Messeauftritt auf der Bootsmesse in Düsseldorf.

Könnte es insgesamt besser laufen mit der „Vermarktung“ des Bootstourismus bzw. der Wasserstraßen im Nordwesten? An wen richtet Ihr Verband Wünsche und Anregungen?

Aus unserer Erfahrung  sind optimale Ansprechpartner die Touristiker dieser Region. Wir sind bislang immer auf offene Ohren gestoßen und wurden optimal unterstützt. Auch das niedersächsische Wirtschaftsministerium hat sich mit dem Thema Wassersport beschäftigt. Ausgenommen einiger Bootsfahrer aus dem Norden Niedersachsens und dem Raum Bremen ist dieses Bootsrevier mehr oder weniger nicht bekannt. Wir sollten daher diejenigen Skipper ansprechen, die dieses Revier befahren würden.

Leider ist es in den letzten Jahren sehr schwierig und im Grunde nur für Insider erreichbar gewesen. Zuerst war für mehrere Jahre die Durchfahrt auf der Leda bei der Brücke in Potshausen gesperrt und bis zum Spätsommer des vergangenen Jahres der Elisabethfehnkanal durch die Brückenbeschädigung in Dreibrücken.  Bis Anfang 2013 gab es pro Tag zwei Konvois in beide Richtungen, einer morgens, einer nachmittags,  mit denen die Boote professionell  durch den Kanal geleitet werden. Danach wurden die Schleusungen auf einmal pro Tag je Richtung reduziert.

Wie kann der Landesverband helfen?

Was für andere Sportarten die Sportplätze und Sporthallen sind, sind für die Bootssportler die Wasserstraßen. Unser Verband hat den direkten Zugang zu vielen Bootssportlern unseres Bundeslandes und über die Presse mit Hilfe des Deutschen Motoryachtverbandes zu allen organisierten Skippern in der Bundesrepublik. Der Landesverband Motorbootsport Niedersachsen  ist gerne bereit, an einem maritimen Blatt für diese Region und ihrer gezielten Verteilung mitzuarbeiten.

Wie kann das politische Gewicht der Wassersportler im Nordwesten gestärkt werden? Motorbootfahrer und Segler liegen oft auseinander (auch verbandsmäßig getrennt), Binnenfahrer und Küsten-/Seefahrer haben auch nicht so viel miteinander zu tun, die Fahrer größerer Boote und Ruderer/Paddelsportler etc. haben schon gar nichts Gemeinsames. Jeder kämpft dann für sich…

Dieses Problem sehen wir auch, aber es wird mit „Riesenschritten“ geringer. Aus unserer Sicht hat bereits eine deutliche Annäherung stattgefunden und egal was wir in diesem Thema unternommen haben, wir sind bei den anderen Verbänden immer auf offene Arme gestoßen. Es gibt sogar beim Sportbund in Niedersachsen Treffen, auf denen von all diesen Disziplinen Vertreter zusammenkommen und gemeinsame Wege besprechen.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Wassersport in Deutschland? Wird das nicht unterschätzt? Im Vergleich mit den Niederlanden –  Welches Potenzial liegt hier ungenutzt auf deutscher Seite? Gibt es dazu tragfähige Studien/Materialien?

Die wirtschaftliche Bedeutung des Wassersportes ist sehr groß und wird sehr oft unterschätzt. Die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern  und die Erstellung der neuen „Veenvaart“ in der Region Drenthe (NL) zeigen deutlich, dass der Wassersport eine große 3-Wiemeyer Statement2touristische Chance ist. Das  Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat hierzu kürzlich die sehr informative Studie  „Wassertourismus in Deutschland – Praxisleitfaden für wassertouristische Unternehmen, Kommunen und Vereine“ herausgegeben.

Leider wird Niedersachsen in Sachen Bootssport darin nur am Rande erwähnt. Und dies, obwohl mehr als ein Viertel der für Motorboote befahrbaren Binnenwasserstraßen in der Bundesrepublik in unserem Bundesland liegen. Der Bootstourismus liegt hier quasi brach – verglichen mit dem, was sich in den neuen Bundesländern tut.

Auf der anderen Seite meiden viele Skipper die neuen Bundesländer, weil die Reviere dort überfüllt sind während der Hauptsaison. Das sollte die verantwortlichen Touristiker Niedersachsens wachrütteln und auf die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten besinnen. Ein Hauptstrom  der Boote kommt doch vom Rhein und fährt über die großen Kanäle Niedersachsens in Richtung Berlin. Die Skipper könnten alternativ schon auf halbem Wege in die Ems fahren und dieses Revier mit seinen mehr als 700 Kilometern Binnenwasserstraßen erleben.

Was wäre aus Ihrer Sicht der größte und nachhaltigste Schaden, würde die Schleuse Osterhausen nicht erneuert und damit der Kanal kurz- oder langfristig nicht mehr durchgängig schiffbar sein?

Die Schließung des Elisabethfehnkanals wäre touristisch eine Katastrophe. Für den nordwestlichen Teil des Ems-Reviers ist der Elisabethfehnkanal das Eingangstor. Wird die Schleuse Osterhausen nicht erneuert, wird der Kanal irgendwann geschlossen. Für den Motorbootsport würde die Wasserstraße damit uninteressant. Touristisch wäre ein solcher toter Kanal aber auch für andere Urlauber weniger attraktiv.

Weshalb ist es angemessen, vom Bund den Unterhalt des Kanals und seiner Schleusen zu fordern?

Die Bedeutung dieses Kanals ist in den letzten Jahren spürbar heruntergefahren worden.  Einmal durch die schon erwähnte Reduzierung der Durchfahrtstiefe auf 0,90 Zentimeter. Und dann durch die Sperrungen wegen kaputter Brücken und des Brückenneubaus in Potshausen. So ist der Eindruck entstanden, dass der Kanal für den Bootstourismus an Bedeutung verloren hat. Sind die Bauwerke wieder funktionsfähig, dann wird es auch wieder mehr Bootsverkehr geben. Jetzt sollte die öffentliche Hand den betroffenen Tourismusorganisationen, der Bevölkerung und den Verbänden die Chance geben, den Wert dieser Fahrwasserstraße zu beweisen. Außerdem wird sich die Befahrbarkeit der unteren Ems in absehbarer Zukunft nicht verbessern. Schon aus diesem Grunde ist ein Ausbau und eine Verbesserung  dieses Ausweichkanals für Sportboote mehr als erforderlich.

2-Volle TeestubeDie Teestube am Moor- und Fehnmuseum war sehr gut gefüllt als Benno Wiemeyer sprach. Fotos: Egon Buss.

Als Hintergrund hier auch einige Hintergrundkarten und -informationen, die Herr Wiemeyer zur Verfügung stellte (Wiemeyer Vortrag Januar 2014).

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